Zwei Hormonsysteme im Wandel
Die Wechseljahre sind eine Zeit großer Veränderungen – vor allem hormonell. Viele Frauen erleben in dieser Phase Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall oder depressive Verstimmungen. Was oft nicht bedacht wird:
Nicht nur die Geschlechtshormone (Östrogen, Progesteron), sondern auch die Schilddrüsenhormone verändern sich.
Gerade weil sich die Symptome von Schilddrüsenproblemen und Wechseljahresbeschwerden stark ähneln, bleiben Schilddrüsenerkrankungen in dieser Lebensphase häufig unentdeckt oder werden falsch zugeordnet.
In diesem Artikel erfährst du:
- Welche Rolle die Schilddrüse in den Wechseljahren spielt
- Welche Symptome auf eine Dysfunktion hinweisen
- Wie du Schilddrüsenwerte prüfen und behandeln lassen kannst
Wechseljahre & Schilddrüse: Wie hängt das zusammen?
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ – aber mit großer Wirkung. Sie produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin), die den Stoffwechsel, Energiehaushalt, Zyklus und sogar die Stimmung beeinflussen.
In den Wechseljahren verändert sich:
- Der Östrogenspiegel sinkt
- Der Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse nimmt zu
- Die Schilddrüse reagiert empfindlicher auf hormonelle Schwankungen
Das heißt: Schilddrüsenerkrankungen können sich erstmals zeigen oder verschlechtern.
Häufige Schilddrüsenprobleme in den Wechseljahren
1. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Sehr häufig, vor allem bei Frauen über 40.
Typische Symptome:
- Müdigkeit, Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
- Kälteempfindlichkeit
- Haarausfall, trockene Haut
- Depressionen oder Reizbarkeit
- Zyklusstörungen oder verstärkte PMS
2. Hashimoto-Thyreoiditis
Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift.
Typisch in den Wechseljahren:
- Entzündungswellen (Hashimoto-Schub)
- Anfangs Überfunktion, später Unterfunktion
- Stimmungsschwankungen, Ängste, Herzklopfen
3. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Kommt seltener vor, aber auch möglich – besonders in frühen Wechseljahren oder durch Knoten.
Symptome:
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- Unruhe, Nervosität
- Herzrasen
- Schlafstörungen
Wichtige Schilddrüsenwerte prüfen lassen
Wenn Du Symptome hast, die nicht eindeutig auf die Wechseljahre zurückzuführen sind, lohnt sich ein Bluttest mit folgenden Werten:
Wert Bedeutung
- TSH Steuerhormon der Schilddrüse (wichtigster Basiswert)
- fT3 Freies Trijodthyronin – aktives Hormon
- fT4 Freies Thyroxin – Vorstufe zu T3
- TPO-AK Autoantikörper bei Hashimoto
- TG-AK Weitere Antikörper bei Autoimmunthyreoiditis
➡️ Lass diese Werte am besten morgens nüchtern und bei einem Arzt oder einer Hormonpraxis (Endokrinologen) bestimmen.
Medikamentöse Behandlung bei Schilddrüsenproblemen in den Wechseljahren
Wenn eine Schilddrüsenfunktionsstörung diagnostiziert wurde, ist die medikamentöse Behandlung häufig unverzichtbar – besonders in den Wechseljahren, wenn hormonelle Schwankungen die Beschwerden noch verstärken.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Die häufigste Form in den Wechseljahren – insbesondere bei Frauen über 40 – wird in der Regel mit dem Medikament L-Thyroxin (T4) behandelt.
Ziele der Therapie:
- Normalisierung des TSH-Werts
- Verbesserung der Symptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Depressionen
- Wiederherstellung des Energie- und Stoffwechsels
Wichtig in den Wechseljahren:
Die Hormonlage ist im Umbruch – daher sollte die Dosierung regelmäßig angepasst werden, vor allem bei Gewichtsschwankungen, veränderter Stimmung oder neuen Symptomen.
Es kann sinnvoll sein, auch den fT3-Wert zu berücksichtigen, insbesondere bei anhaltender Erschöpfung trotz guter TSH-Werte.
In manchen Fällen wird zusätzlich oder alternativ mit kombinierten T3/T4-Präparaten gearbeitet – individuell nach Rücksprache mit der Endokrinologin.
Hashimoto-Thyreoiditis
Bei dieser Autoimmunerkrankung wird ebenfalls meist L-Thyroxin verordnet. Ziel ist es, die entstehende Unterfunktion auszugleichen und dem Körper zu helfen, im Gleichgewicht zu bleiben.
Was du beachten solltest:
- Autoimmunprozesse verlaufen schubweise → regelmäßige Blutkontrollen sind essenziell
- Die Entzündungsneigung lässt sich oft zusätzlich mit Selen, Omega-3-Fettsäuren und einer entzündungsarmen Ernährung positiv beeinflussen
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Diese Form wird mit sogenannten Thyreostatika behandelt – Medikamente, die die Hormonproduktion der Schilddrüse hemmen.
- Hier ist eine engen ärztliche Kontrolle nötig, da die Dosierung genau abgestimmt werden muss
- Häufige Ursachen wie Morbus Basedow oder „heiße Knoten“ können später auch operativ oder mit Radiojodtherapie behandelt werden
Tipps:
- Medikamente immer morgens auf nüchternen Magen einnehmen (mind. 30 Min. vor dem Frühstück)
- Abstand zu Eisen- oder Calciumpräparaten einhalten (mind. 2 Stunden)
- Therapieerfolg nicht nur an Werten, sondern auch am Wohlbefinden beurteilen
Ernährung & Mikronährstoffe: So stärkst Du Deine Schilddrüse natürlich
Die richtige Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für eine gesunde Schilddrüsenfunktion – besonders in den Wechseljahren. In dieser Lebensphase steigt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen, da Hormonveränderungen, Entzündungen (z. B. bei Hashimoto) und Stoffwechselverlangsamung aufeinandertreffen.
Hier sind die wichtigsten Mikronährstoffe und Lebensmittel, die du kennen solltest:
1. Selen – der Schilddrüsenschutz schlechthin
Wirkung: Selen schützt die Schilddrüse vor oxidativem Stress und unterstützt die Umwandlung von T4 in das aktive T3.
Wichtig bei Hashimoto: Studien zeigen, dass Selen Entzündungen lindern und Autoantikörper senken kann.
Lebensmittel: Paranüsse (1–2 pro Tag reichen), Lachs, Eier, Sonnenblumenkerne
Tipp: Achte auf Qualität – Böden in Europa sind oft selenarm → evtl. sinnvoll zu supplementieren
2. Jod – unverzichtbar, aber mit Vorsicht
Wirkung: Jod ist ein Grundbaustein der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Ein Mangel kann eine Unterfunktion begünstigen.
Achtung bei Hashimoto: Zu viel Jod kann eine Entzündung verschlimmern. Hier ist eine ärztliche Absprache wichtig.
Lebensmittel: Seefisch (Kabeljau, Schellfisch), Meeresalgen, jodiertes Speisesalz
Tipp: Kombiniere Jod immer mit Selen – sie arbeiten synergistisch!
3. Zink – für Hormonbildung & Immunsystem
Wirkung: Zink unterstützt die Produktion und Regulation von Schilddrüsenhormonen und stärkt das Immunsystem.
Lebensmittel: Rindfleisch, Linsen, Kürbiskerne, Haferflocken
Tipp: Besonders bei vegetarischer oder veganer Ernährung auf ausreichende Zinkzufuhr achten.
4. Eisen – bei chronischer Müdigkeit oft unterschätzt
Wirkung: Eisen wird für die Umwandlung von T4 zu T3 benötigt und beeinflusst den Energiestoffwechsel direkt.
Symptom bei Mangel: Anhaltende Erschöpfung trotz guter Schilddrüsenwerte
Lebensmittel: Rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Hirse, Spinat
Tipp: Vitamin C fördert die Eisenaufnahme – z. B. mit Zitrusfrüchten oder Paprika kombinieren.
5. Vitamin D – der unterschätzte Hormon-Booster
Wirkung: Vitamin D wirkt wie ein Hormon im Körper und reguliert das Immunsystem sowie viele Stoffwechselprozesse.
Problem: Viele Frauen haben im Alter einen Mangel, besonders im Winter oder bei geringer Sonnenexposition.
Lebensmittel: Lachs, Eier, Pilze, angereicherte Lebensmittel – Hauptquelle bleibt jedoch die Sonne.
Tipp: Blutwert kontrollieren lassen (Ziel: 40–60 ng/ml) und ggf. supplementieren.
6. Vitamin B12 & B-Komplex – Nerven, Energie, Psyche
Wirkung: Wichtig für den Energiestoffwechsel, Konzentration und mentale Gesundheit – oft beeinträchtigt bei Schilddrüsenerkrankungen.
Lebensmittel: Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte – bei veganer Ernährung unbedingt ergänzen!
Tipp: Vitamin B-Komplex kann bei Erschöpfung und Nebennierenschwäche zusätzlich helfen.
Praktische Ernährungstipps für den Alltag:
Vermeide stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Transfette – sie fördern Entzündungen.
Bevorzuge eine antientzündliche Ernährung: Gemüse, Omega-3-reiche Öle (z. B. Leinöl, Fisch), Vollkorn, Nüsse
Verzichte nicht auf Kohlenhydrate – aber achte auf Qualität: Quinoa, Süßkartoffeln, Hirse statt Weißmehl
Trinke ausreichend Wasser – für Stoffwechsel, Entgiftung und Zellfunktionen
Gut zu wissen: Einige Lebensmittel enthalten sogenannte Goitrogene, die die Jodaufnahme hemmen können (z. B. rohe Kohlsorten, Soja, Raps).
➡️ In normaler Ernährung meist unbedenklich – beim Garen verlieren sie ihre Wirkung.
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Stressreduktion: Ein Schlüssel zur Schilddrüsengesundheit
Stress beeinflusst das gesamte Hormonsystem – insbesondere die Schilddrüse und die Nebennieren. In den Wechseljahren sind Frauen häufig besonders stressanfällig: berufliche Belastung, Schlafprobleme, Pflege von Angehörigen oder emotionale Veränderungen.
Und genau hier liegt ein oft unterschätzter Faktor:
Chronischer Stress kann Schilddrüsenprobleme verschlechtern – oder sogar auslösen.
Was passiert bei Stress im Körper?
- Der Körper schüttet Cortisol aus (Stresshormon)
- Hohe Cortisolspiegel hemmen die Umwandlung von T4 in das aktive T3
- Entzündungsprozesse im Körper nehmen zu – besonders ungünstig bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto
- Das Nervensystem gerät aus dem Gleichgewicht – Symptome wie Herzrasen, Nervosität und Schlaflosigkeit können sich verstärken
Effektive Methoden zur Stressbewältigung in den Wechseljahren:
1. Bewegung – aber moderat!
- Sanfte Bewegung wie Yoga, Pilates, Spaziergänge, Schwimmen oder Qigong reduziert Stresshormone ohne zusätzliche Erschöpfung
- Auch kurze tägliche Einheiten (20–30 Min.) haben bereits eine Wirkung auf die Hormonbalance
2. Atemübungen & Meditation
- Tiefes, bewusstes Atmen beruhigt das Nervensystem und senkt nachweislich den Cortisolspiegel
- Besonders wirkungsvoll: 4-7-8-Atemtechnik, Bodyscan, Achtsamkeitsmeditation
3. Schlafpflege (Sleep Hygiene)
- Versuche, vor 23 Uhr schlafen zu gehen – die wichtigsten Regenerationsphasen laufen zwischen 23–2 Uhr
- Schaffe eine hormonfreundliche Schlafumgebung: dunkel, kühl, ohne Handy oder TV
- Nutze abends beruhigende Rituale wie Lavendelöl, Magnesium oder einen warmen Kräutertee
4. Rhythmisierung deines Alltags
Der Körper liebt Routinen: feste Essenszeiten, regelmäßiger Schlaf, tägliche Bewegung – das reduziert Stresssignale
5. Adaptogene & Kräuter als Unterstützung
- Ashwagandha, Rhodiola (Rosenwurz), Passionsblume oder Lavendel helfen sanft bei Erschöpfung, innerer Unruhe und Stimmungsschwankungen
- Sie wirken stressmildernd und können die Hormonregulation positiv beeinflussen
Fazit: Schilddrüse nicht übersehen!
Die Wechseljahre und die Schilddrüse sind eng miteinander verbunden. Da sich die Symptome oft überschneiden, ist es wichtig, bei Beschwerden auch die Schilddrüsenwerte untersuchen zu lassen.
Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, viele Symptome zu lindern – und deine Lebensqualität erheblich verbessern.
Lass deine Schilddrüse regelmäßig checken, insbesondere wenn du dich dauerhaft energielos, gereizt oder „nicht wie du selbst“ fühlst.

❓ FAQ – Häufige Fragen zum Thema Schilddrüse & Wechseljahre
1. Wie merke ich, ob meine Schilddrüse betroffen ist?
Wenn du trotz Hormontherapie oder Wechseljahrespflege Symptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall oder Stimmungstiefs hast, lohnt ein Blutbild.
2. Kann sich Hashimoto durch die Wechseljahre verschlechtern?
Ja – hormonelle Veränderungen können Schübe auslösen oder verstärken. Stress spielt ebenfalls eine Rolle.
3. Wie häufig sollte ich meine Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen?
Bei bekannten Problemen: alle 6–12 Monate, ansonsten bei Symptomen oder unklaren Beschwerden.
4. Kann ich eine Schilddrüsenunterfunktion natürlich behandeln?
Nicht vollständig – aber Ernährung, Mikronährstoffe und Stressmanagement können die Therapie optimal ergänzen.
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